Korallenbleiche: Halten die Korallenriffe durch? – mit Anna Koester (Transkript)


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[00:00] Einführung

Anna Koester: Für mich ist wichtig, dass wir nicht aufgeben, weil das sollten wir uns nicht erlauben. Und jetzt ist wichtig, dafür zu sorgen, dass es einfach noch nicht zu spät ist. Da haben wir aber nicht mehr so viel Zeit.

Dennis Eckmeier:  Ich hatte wirklich Sorge, ob die Remote-Aufnahme übers Internet bei dieser Folge funktioniert. Denn unser Gast saß nicht um die Ecke in einer deutschen Uni mit Glasfaser-Internet, sondern lebt und arbeitet auf dem Aldabra-Atoll, mehrere hundert Kilometer entfernt von der Zivilisation.

Neben einzigartigen Landschildkröten gibt es dort vor allem Korallenriffe. Die haben wichtige Funktionen für den Küstenschutz. Und als Heimat für eine große Anzahl unterschiedlicher Arten sind sie sowohl für den Fischbestand der Region wichtig, als auch als Ziel für begeisterte Urlaubstaucher.

Leider sind Korallen immer häufiger von der sogenannten Korallenbleiche betroffen.

Das Satelliten-Internet auf dem Atoll hat zuverlässig funktioniert und so habe ich mit Meeresökologin Dr. Anna Koester sprechen können, die über die Erholung von Korallenriffen nach einer Korallenbleiche promoviert hat.

[01:01] Begrüßung und Infos

Willkommen zu „Expedition in die Forschung“! Wir erzählen Euch gemeinsam mit den Forschenden, von aktuellen Forschungsergebnissen und was dahintersteckt.

Bei mir ist mein Ko-Moderator Bart Geurten.

Bart Geurten: Hallo!

Dennis Eckmeier: … und ich bin Dennis Eckmeier.

Wir haben beide gemeinsam Biologie studiert und in Neurobiologie promoviert. Bart ist zur Zeit Postdoc an der Uni Göttingen und ich bin freiberuflicher Wissenschaftskommunikator.

Bart Geurten: Was gibt es Neues, Dennis?

Dennis Eckmeier:  Ja, ich habe tolle Neuigkeiten, ehrlich gesagt. Und zwar ist unser Podcast jetzt auf Spektrum.de gelistet.

Bart Geurten: Wenn wir jetzt alle reich und berühmt?!

Dennis Eckmeier: Ja, nee, das wahrscheinlich nicht. Aber jeder der auf Spektrum.de rumklickt, hat die Chance auch mal unseren Podcast zu finden. Und das ist ja ganz super. Also jeder der uns jetzt vielleicht über Spektrum.de gefunden hat: Herzlich willkommen!

Bart Geurten: Ja, herzlich willkommen! Das freut uns natürlich sehr.

Dennis Eckmeier:  Ja, und dann habe ich noch eine zweite Neuigkeit und zwar nehme ich sowohl mit dem Podcast als auch mit zwei anderen Projekten an dem Wissenschaftskommunikations-Wettbewerb „Fast Forward Science“ teil.

Ich finde, das ist eine ganz tolle Sache und ich möchte empfehlen, doch mal auf der Webseite zu gucken. Da gibt es ganz viele Einreichungen und da könnt ihr mal stöbern, was es da so alles gibt und ob euch das interessiert.  Und so weiter.

Wir nehmen einmal teil mit unserem Podcast hier. Da habe ich die Folge eingereicht mit Professor Wieland Huttner über die Evolution oder die Entwicklung des Gehirns und die genetischen Grundlagen dafür.

Dann habe ich noch einen Beitrag gemeinsam mit ScienceSlam.de von Julia Offe eingereicht. Wir haben während der Pandemie eine Serie gemacht von Interviews mit Science Slamys. Die stellen sich da also vor. Wir stellen da einige Fragen privater Natur und nicht so privater Natur. Einfach, damit die Leute die Slamys auch mal als Menschen kennenlernen. Und da haben wir eingereicht das Interview mit Dr. Lydia Möcklinghoff, die ist Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Und ich fand das einfach eine ganz tolle Folge.

Und dann habe ich noch extra für den Wettbewerb ein Video gemacht. Die Zuschauer oder Zuhörer auf YouTube, die kennen das vielleicht schon, haben das vielleicht schon gesehen. Und zwar geht es da um De-Extinction, also das Rückgängigmachen von Artensterben. Und ich fand das ganz interessant, das Thema und hat mir viel Spaß gemacht. Und wenn ihr mich da ein bisschen unterstützen möchtet, dann geht auch auf unseren YouTube Kanal und kommentiert und liked das Video. Das wäre ganz super.

Bart Geurten:  Das klingt hart nach Eigenwerbung, aber vielleicht findet sich ja jemand.

Dennis Eckmeier: WAS?! Meinst du wirklich, ich mache auf meinem eigenen Podcast Eigenwerbung für meine Projekte, Bart?!

Bart Geurten: Ja, ich weiß nicht, ob ich aus wissenschaftlicher Sicht hier noch mitmachen kann. Es scheint hier einen harten Dennis-Eckmeier-Bias zu geben.

Dennis Eckmeier: Mann, Mann, Mann.

Bart Geurten: Ich bespreche das mal mit der Ethikkommission der Uni Göttingen.

Dennis Eckmeier: Auf unserer Webseite, expeditionindieforschung.de, findet ihr alle Quellen und das Transkript zu dieser Folge.

Bart Geurten: Wenn ihr mit uns auf dem Laufenden bleiben wollt, abonniert am besten den Podcast!  Und folgt uns auch in den sozialen Medien unter @expidforschung.

[04:32] Das Atoll und die Korallen

Anna Koester: Ich bin im westlichen Indischen Ozean auf dem Aldabra-Atoll. Das ist eines der größten Atolle der Welt, gehört zu den Seychellen, liegt aber ungefähr 1200 Kilometer entfernt von der Hauptinsel Mahé. Es ist näher an Madagaskar dran. Ist ungefähr 400 Kilometer nördlich von Madagaskar, 600/700 Kilometer östlich von Tansania, also wirklich weit weg. Und die einzige Möglichkeit herzukommen, ist entweder hier zu arbeiten oder mit einem privaten Schiff, mit einer privaten Yacht oder mit einem Tourismusunternehmen.

Hier kommen auch saisonal bedingt Kreuzfahrtschiffe hin, nicht die ganz großen, die kleineren Kreuzfahrtschiffe. Hier ist kein Flugzeuglandeplatz. Wir haben auch kein Jeti oder Marina oder irgendwas. Das heißt, alles was wir hier machen, ist komplett von den Tiden abhängig. Und wenn man als Mitarbeiter herkommt, dann fliegt man meistens zur Nachbarinsel. Die ist 30 Kilometer von hier entfernt und wird dann abgeholt. Mit dem Boot. Genau. Also es ist wirklich sehr weit entfernt von der nächsten großen Zivilisation, sozusagen.

Bart Geurten: Ein Atoll ist die Spitze eines Riffes, die über den Wasserspiegel hinausragt und eine Lagune einschließt. Das Aldabra-Atoll entstand durch ein Korallenriff, das auf den Überresten eines versunkenen Vulkans gewachsen ist.

Dennis Eckmeier: Bunte Korallenriffe voller Fische sind den meisten von uns bekannt von Meeresdokus oder sogar vom Tauch-Urlaub. Dabei ist ein Korallenriff eine Erhebung des Meeresbodens, die von Korallen nicht nur besiedelt, sondern sogar hergestellt wurde. Über die Jahrhunderte und Jahrtausende wachsen die Riffe vom Meeresboden aus nach oben, weil sich die Kalkskelette der Steinkorallen dort ablagern. So trägt also jede neue Generation von Korallen mit ihren Skeletten zum Aufbau des Riffs bei. Sie leben sozusagen auf ihrem eigenen, blühenden Friedhof.

Bart Geurten: Sehr poetisch.

Das Biotop bietet dabei vielen Arten eine Heimat – vom Einzeller bis zu größeren Fischen. Aber die Artenvielfalt und der Urlaubsspaß sind nicht die einzigen Gründe, warum Korallenriffe wichtig für die Menschen sind, die an den nahegelegenen Küsten leben.

Anna Koester: Korallenriffe sind sehr wichtig für Küstenregionen an sich, weil ein Riff eine Barriere darstellen kann, wenn es zum Beispiel zu großen Stürmen kommt. Sie sind sehr wichtig für die Nahrungsversorgung von unendlich vielen Menschen. Millionen von Menschen an Küstengebieten einfach durch den Fisch, den man von Korallenriffen bekommt. Aber natürlich auch, was man sich vorstellen kann, Tourismus selbst. Also viele, viele Länder in den Tropen haben ja einen unheimlichen Küstentourismus auch wegen Korallenriffen. Und wenn man Seychellen zum Beispiel als Beispiel nimmt, die größten Sektoren sind die Fischerei und der Tourismus. Das heißt, dass diese Länder direkt angewiesen sind auf die Gesundheit der Korallenriffe.

Dennis Eckmeier: Auf dem Aldabra-Atoll hat Anna Koester für ihre Doktorarbeit an den dortigen Korallenriffen geforscht.

Anna Koester: Hier, wo ich jetzt hier bin, auf dem Aldabra-Atoll, da haben wir Riffe, die sind in schon ein Meter Wassertiefe, also wirklich ganz flach. Und dann gibt es aber auch Gebiete, wo man Riffe erst ab sowas nicht drei, vier, fünf Meter sieht und dann geht es runter bis ungefähr 30 Meter und danach wird es dann schon weniger, was die Korallen angeht, die wir in den flachen Gewässern sehen. Da sieht man dann schon einen Unterschied zwischen den Arten, die man im flachen Wasser sieht und im tieferen Wasser sieht.

Bart Geurten: Das Korallen vornehmlich nah an der Oberfläche leben, hat einen ganz bestimmten Grund. Denn, um es mal flapsig auszudrücken, Korallen sind Tiere, die ein bisschen so tun, als seien sie Pflanzen.

Anna Koester: Korallen sind wirbellose Tiere, die in Symbiose mit winzig kleinen Algae-Zellen leben.

So eine Koralle hat ein hartes Skelett und darüber ein weiches Gewebe. Und in diesem Gewebe leben diese winzig kleinen Algae-Zellen und die nutzen das Sonnenlicht für Photosynthese. Und ein sehr großer Teil der Nährstoffe, die durch die Photosynthese entstehen, werden an die Koralle abgegeben. Die Koralle gibt im Gegenzug Schutz für die Alge, aber auch wichtige Stoffe, die für die Photosynthese nötig sind.

Eine Koralle im flachen Wasser kriegt natürlich ganz viel Sonne während im tiefen Wasser in 30 Meter oder 25 Meter nicht mehr so viel Sonnenlicht ankommt. Das heißt man findet auch unterschiedliche Korallengemeinschaften in unterschiedlichen Wassertiefen.

Dennis Eckmeier:  Die Meeresökologin Dr. Anna Koester will wissen, was nach einer sogenannten Korallenbleiche mit einem Korallenriff passiert. Immer mal wieder hört man ja in den Medien von diesem Phänomen. Was genau passiert da eigentlich?

Anna Koester: Bei einer Korallenbleiche ist der Korallenorganismus also die die Korallen selber, aber auch die Algenzellen gestresst, zum Beispiel durch abnormale warme Temperaturen, Lichtstress oder aber auch Giftstoffe die im Wasser sind. Und wenn das passiert, ist diese Symbiose nicht mehr unbedingt gesund für die Koralle, weil die Algaezellen Giftstoffe produzieren können. Und in dem Fall, als Schutzmechanismus, scheidet die Koralle die Algenzellen aus, also lässt sie raus in die Wassersäule und das nennen wir dann Korallenbleiche, weil was wir nun sehen ist das weiße Skelett unter diesem Weichgewebe von der Koralle. Ein großer Anteil der Farbe von Korallen kommt von diesen Algenzellen. Das heißt eine weiße Koralle ist noch nicht tot, aber sie hat einfach nicht mehr ihre Symbiosepartner und am Ende könnte sie verhungern, wenn sie die Algaezellen nicht früh genug wieder aufnehmen könnten. Also eine gebleichte Koralle ist eine hungernde Koralle. Ganz einfach gesagt.

Bart Geurten: Dr. Koester lebt und arbeitet zurzeit auf dem Aldrabra-Atoll. Wie ist sie da hingekommen? Nach dem Abi war sie sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt Biologie studieren sollte.


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[10:44] Wer ist Anna Koester?

Anna Koester:  Da bin ich erst mal ein Jahr in Australien gewesen und habe dort ganz unterschiedliche Jobs gemacht, um herauszufinden, was ich machen möchte. Mein generelles Interesse war aber immer im Umweltschutz, Biologie auch eher in die Richtung. Ich habe mich aber nicht so richtig getraut, wirklich Biologie zu studieren, einfach weil mir da nicht so richtig klar war, was für Jobmöglichkeiten dann da sind am Ende.

Und dann habe ich mich für Environment and Resource Management entschieden.

Dennis Eckmeier: Im Bachelor-Studiengang Umwelt- und Ressourcenmanagement lernt man Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften, und wie man dieses Wissen für die Planung eines nachhaltigen und sozialverträglichen Umgangs mit der Umwelt einsetzen kann.

Bart Geurten: Dabei hat sie ein Praktikum in Zakynthos – das ist in Griechenland – gemacht, in einem Rain Park.

Anna Koester: Und innerhalb dieses Praktikums, in der ich dann auch meine Bachelorarbeit geschrieben habe, habe ich natürlich ganz viel gelernt über dem marinen Umweltschutz und auch über das wissenschaftliche Tauchen.

Dennis Eckmeier: Beim wissenschaftlichen Tauchen lernen Wissenschaftler*Innen erst einmal natürlich grundsätzlich das Tauchen, aber auch, wie man zum Beispiel größere Geräte unter Wasser verwendet, schonend und sachgerecht Proben nimmt, und so weiter. Also Dinge, die Hobbytaucher am besten gar nicht machen sollten, nehme ich an.

Anna Koester: Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst, sogar davor. Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen, wie das denn ist, wenn man wirklich in die Tiefe geht im Wasser. Als ich dann aber meine ersten Tauchgänge gemacht habe, ist die Angst komplett verflogen und ich fand das einfach total faszinierend. Das Tauchen an sich, also die Möglichkeit sich so Unterwasser zu bewegen und das Gefühl ein bisschen von der Schwerelosigkeit und dann natürlich aber auch eine komplett neue Welt zu sehen.

Es ist einfach unheimlich schön dort gewesen auch. Und das das Erlebnis an sich war total einschneidend und das Kennenlernen von wissenschaftlichen Tauchern, wodurch ich eine Perspektive in diese Arbeit bekommen habe. Es hat mich einfach auch fasziniert und das war dann eher so eine Erkenntnis von: „Wow! Okay, man kann solche Arbeit wirklich machen und sein Geld damit verdienen“, und das war irgendwie sehr spannend und deswegen wollte ich dann in die Richtung gehen.

Ich habe dann in meinem Master in England studiert; Tropische Meeresbiologie.

Bart Geurten: Der Einstieg in die Biologie war dabei nicht so einfach.

Anna Koester: Ich hatte ja kein Studium in Biologie vorher gemacht. Deswegen war das eine ganz schön steile Kurve für mich, die ich da kriegen musste. Mit ganz viel erstmal biologischem Hintergrund, den ich mir selber erarbeiten musste. Aber der Fokus war wirklich auf tropische marine Ökosysteme, also Korallenriffe und Seegraswiesen und Mangrovenwälder.

Und innerhalb dieses Studiengangs wurde auch ein Kurs in Indonesien angeboten, im Wakatobi Marine National Park. Dort ist eine Feldstation von Operation Wallacea. Und meine Fragestellung hat sich speziell damit beschäftigt, wenn man sich den Riffboden anschaut; wie viel Bedeckung von Korallen haben wir oder wie viel Bedeckung von Algen haben wir? Was das für ein Einfluss auf die Fisch Gemeinschaft hat, die wir auf diesen Riffen finden.

Dennis Eckmeier:  Und das war dann auch ihre Masterarbeit. Dabei kam heraus, dass…

Anna Koester: … die Riffe, die nicht so eine gute Qualität hatten, weil die zum Beispiel mehr Verschmutzung ausgesetzt waren, dadurch mehr Algen Bedeckung hatten, dass diese Riffe natürlich auch einen höheren Prozentanteil an algenfressenden Fischen hatten und dass wir dadurch einen sehr großen Unterschied zwischen gesunden Riffen und nicht so gesunden Riffen gefunden haben.

Bart Geurten: Grundsätzlich kannte man diese Zusammenhänge natürlich schon, aber für das spezielle Riff an dem sie gearbeitet hat, hatte man das bis dahin noch nicht analysiert.

Dennis Eckmeier:  Die wissenschaftliche Erkenntnis war, wie die Zusammensetzung von Algen- und Korallenbewuchs sich auf die Zusammensetzung der Fischarten an dem untersuchten Riff auswirkt. Durch diese Arbeit hat Anna Koester ganz grundlegende Methoden der Meeresökologie kennengelernt.

Anna Koester: Das sind Standardmethoden, die man anwendet. Dass man sich in einem abgesteckten Bereich eines Riffes anschaut, was wir für benthische Bedeckung haben, also prozentualer Anteil an Korallen, an Algen, an Schwämmen, Weichkorallen auch. Und dann auch Methoden die Fischgemeinschaft zu zählen, also dass man wirklich am Transekt entlang schwimmt und zählt, was man da so für Fische sieht und natürlich auch identifiziert, was das für Fische sind.

Und das sind so die Wege, mit denen man solche Daten erheben kann. Also da gibt es natürlich noch viel mehr, aber das sind so die grundlegenden Sachen, die man oder die wir dort gelernt haben, auch.

Bart Geurten: Wie kam Anna Koester nun an eine Doktorarbeit auf dem Aldabra-Atoll? Das war gar nicht so simpel.

Anna Koester: Ich habe nach meinem Masterstudium einen Job angefangen auf den Seychellen, wo ich hauptsächlich Leute trainiert habe, in Riff-Surveys – also, wie man Daten erhebt an einem Korallenriff.

Dennis Eckmeier:  Auf den Seychellen erlebte Anna Koester die bis dahin größte Korallenbleiche live mit.

Anna Koester: Es fing hier an Ende 2015 auf dem Aldrabra-Atoll und ging dann bis Mai 2016. Das war erst mal total faszinierend zu sehen. Weil das ja und das ist ja ein Phänomen, was man sonst nicht einfach so beobachten kann, aber auch unheimlich traurig.

Es ist wirklich… Das ist… Man sieht einfach wie ein Riff dann so vor sich hin stirbt am Ende. Mein Eindruck hat sich oder meinen meine Einstellung wahrscheinlich hat sich dann auch in dem Sinne verändert, dass wir wirklich was machen müssen jetzt. Und das wissen wir aber eigentlich auch schon so lange. Wenn man sich die Literatur anschaut. Es wird immer wieder das Gleiche gesagt und eigentlich wissen wir schon, was gemacht werden muss. Und das ist ja nicht nur für Korallenriffe so, das ist ja auch für die tropischen Regenwälder so und für sämtliche andere Ökosysteme. Und irgendwie muss da was passieren, weil sonst ist es nämlich leider zu spät.

Dennis Eckmeier: Zurück in Deutschland bewirbt sie sich gleichzeitig auf eine Stelle auf dem Aldabra-Atoll und sucht nach Möglichkeiten, eine Doktorarbeit zu machen.

Dabei kontaktiert sie auch Prof. Christian Wild von der Universität Bremen.

Sie bekommt die Stelle auf dem Aldabra-Atoll und tritt sie an. Während sie dort ist, meldet sich Christian Wild, der die Mittel für eine Doktorandenstelle bekommen hat. Sie bewirbt sich.

Anna Koester: So bin ich dann am Ende zu der Stelle an der Uni Bremen gekommen. Da war ich dann wissenschaftliche Mitarbeiterin, 50%, und habe dann dort meine Doktorstelle angefangen und konnte dann durch meine Kontakte hier auch mit der Seychelles Islands Foundation, die das Aldabra-Atoll managt, ein Projekt entwickeln, was sich speziell mit den Korallenriffen von Aldabra beschäftigt. So ist meine Doktorarbeit dann am Ende zustande gekommen.

Zusammen mit der Seychelles Islands Foundation als Projektpartner und mit der Universität Bremen als mein Arbeitgeber und mit Christian Wild als mein Supervisor.

Dennis Eckmeier: Die Fragestellung für ihre Doktorarbeit ergab sich ganz direkt aus ihrem Erlebnis 2015/2016 in den inneren Inseln der Seychellen und ihrer Arbeit auf dem Aldabra-Atoll.

Anna Koester: Wir wissen jetzt ungefähr, wie viele Korallen gestorben sind. Aber, erholen sich denn die Riffe in den ersten paar Jahren?

[18:25] Wie erholen sich die Korallen von einer Bleiche?

Dennis Eckmeier:  Ich muss sagen, wenn ich eine Doku sehe oder einen Bericht im Fernsehen, das klingt immer so, als wären die jetzt weg. Sobald das geblichen ist. Das ist aber nicht der Fall.

Anna Koester: Nee, die Korallen sind da noch nicht unbedingt tot. Es hängt wirklich davon ab, wie stark der Einfluss dieser Umweltbedingungen ist. Wenn es zum Beispiel super heiß ist, dann kann das ganz schnell gehen, dass Korallen sterben. Das stimmt also. Und das, das ist auch wirklich ein Problem. Aber es hängt auch davon ab, wie lange das andauert. Also eine Koralle kann sich wieder erholen, wenn sie gebleicht ist und kann diese Algaezellen auch wieder aufnehmen von der Wassersäule.

Aber wenn das zu lange dauert, dann verhungert die Koralle.

Bart Geurten: Aber auch wenn sie sich erholen. Können sie so angeschlagen sein, dass sie sich nur noch eingeschränkt fortpflanzen können.

Dennis Eckmeier:  Wie hart ein Riff betroffen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der Auslöser ist meist eine abnormale Temperatur – eine Daumenregel, so Anna Koester, ist, dass ein Grad über der üblichen Höchsttemperatur im Sommer bereits eine Bleiche auslösen kann. Außerdem kann übermäßig viel Licht die Bleiche noch verschärfen. So können zum Beispiel Kolonien, die tiefer unter der Oberfläche leben glimpflicher davonkommen, als die, die sich nahe der Oberfläche befinden. Und dann gibt es noch verschiedene Arten, die entsprechend unterschiedlich widerstandsfähig sind.

Bart Geurten: Und das Aldabra-Atoll bietet eine große Bandbreite an Lebensbedingungen in den Riffen für die unterschiedliche Arten von Korallen.

Anna Koester:  Das Aldabra-Atoll ist eines der größten Atolle der Welt und hat eine riesige Lagune. Die Lagune hat ungefähr 155 Quadratkilometer also ist wirklich sehr groß. Und wir haben Riffe innerhalb der Lagune und aber auch im äußeren Teil des Atolls, also seewärts gelegen. Und die Riffe innerhalb der Lagune sind sehr flach. Also was ich vorhin auch schon gesagt habe, so ein Meter, zwei Meter Wassertiefe und je nach Tidenunterschied ist natürlich mehr oder weniger Wasser da.

Das heißt, die Korallen innerhalb der Lagune sind viel größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt, durch den Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Also bei Ebbe heizt sich das Wasser richtig auf. Das ist dann, das kann man sein wie ein Ja, wie eine heiße Badewanne. Und wenn dann die Flut kommt und Wasser wieder hereinläuft, dann kühlt sich das Wasser wieder ab.

Dennis Eckmeier:  Die Seychelles Islands Foundation erhebt jährlich Daten mit den Methoden, die Anna Koester auch in ihrer Masterarbeit bereits erlernt hat. Es werden also Fotos von den Riffen gemacht, um sich den Bewuchs mit unterschiedlichen Arten von Korallen, Algen, Schwämmen, usw. anzuschauen.

Für die erste Studie haben Anna Koester und ihre Kolleg*Innen solche Fotos ausgewertet, um das Ausmaß der großen Korallenbleiche 2015/2016 in Zahlen festzumachen.

Anna Koester: Wir haben eine Sterberate von 50 bis 60% von den seewärts gelegenen Riffen gefunden. Also wenn man sich die Daten von direkt vor der Bleiche und dann nach der Bleiche anschaut, haben wir 50 bis 60% weniger Korallen aufgenommen. Innerhalb der Lagune war die Sterberate aber nur bei ungefähr 34%, also einiges geringer als auf den auswärts gelegenen Riffen. Das hat zum einen, was wir vermuten, was damit zu tun, dass die Korallen innerhalb der Lagune einfach diesen hohen Temperaturschwankungen auf täglicher Basis ausgesetzt sind. Und zum anderen natürlich auch, was für Korallenarten wir in diesen verschiedenen Riffgemeinschaften finden.

Bart Geurten: Die Forscher*Innen hatten aber auch die Daten aus den Folgejahren bis 2019, mit denen sie sich ansehen konnten, wie gut sich die verschiedenen Korallen an den verschiedenen Standorten erholen konnten.

Anna Koester: Bis 2019, also bis vor zwei Jahren haben sich die Riffe ziemlich gut wieder erholt innerhalb der Lagune. Unsere Daten zeigen, dass die Riffe innerhalb der Lagune eine Korallenbedeckung hatten, die 93% von dem war, was wir vor der Korallenbleiche aufgenommen haben. Also fast wieder, wie es vor der Korallenbleiche war. Auf den auswärts gelegenen Riffen haben wir aber eine Erholung nur in den flachen Gebieten gesehen und da hat das variiert zwischen 50 bis 70% von dem, was wir vor der Bleiche aufgenommen haben.

Also die Erholung innerhalb der Lagune war um einiges schneller als auf den seewärts gelegenen Riffen. Und wir vermuten, das hat auch was damit zu tun, was wir für Korallen in den unterschiedlichen Gebieten haben, weil die Korallenarten, die wir in der Lagune finden, sind meist sehr schnell wachsende Arten. Und das muss man dann alles mit erklären, natürlich, woran der Unterschied liegt. Aber es liegt einfach auch daran, dass es zwei unterschiedliche Riffstrukturen sind und mit unterschiedlichen Umweltbedingungen.

Und all das spielt natürlich damit ein, wie schnell ein Riff oder wie stark ein Riff von der Bleiche betroffen wird oder betroffen ist und wie schnell sich ein Riff dann aber auch wieder erholt nach so einer Bleiche.

Dennis Eckmeier: In diesem Zusammenhang wollte sich Anna Koester auch anschauen, wie viele Nachkommen die verschiedenen Korallen an den unterschiedlichen Standorten haben. Auch das ist natürlich ein Faktor, der den Erholungszustand eines Korallenriffs abbildet.

Anna Koester: Korallen haben unterschiedliche Arten der Fortpflanzung. Es gibt Korallen, die laichen, das heißt dass Eizellen und Samenzellen in die Wassersäule abgelassen werden. Und das muss natürlich zum gleichen Zeitpunkt passieren, weil sonst kann ja keine Befruchtung stattfinden. Und das ist dann abhängig von Umweltbedingungen und auch von dem Mondzyklus. Also das muss wirklich sehr akkurat getimt sein, dass Eizellen und Samenzellen zur gleichen Zeit herausgelassen werden, damit Befruchtung stattfinden kann.

Es gibt aber auch Korallen, die brüten, also dass die Befruchtung innerhalb von der Koralle selber stattfindet. Das heißt, dass die Koralle dann eine, eine Larve herauslässt am Ende, die eigentlich fertig ist, und sich schon niedersetzen kann. Das heißt, dass solche Korallenlarven von diesen brütenden Korallen oftmals auch in der nahen Umgebung von der Mutterkoralle gefunden werden. Zum Beispiel eine brütende Korallenlarve, die könnte sich schon innerhalb von wenigen Stunden wieder niederlassen, aber Korallenlarven von einer laichenden Koralle kann über mehrere Wochen hinweg weggetragen werden zu anderen Riffen.

Bart Geurten: Um das Bild zu vervollständigen, wollten Anna Koester und ihre Kolleg*Innen noch herausfinden, wie und wann die Korallen am Aldabra-Atoll sich reproduzieren.

Anna Koester: Wann ist es denn die Korallenlaiche und wie sind die Unterschiede innerhalb dieses Atolls?

Dennis Eckmeier: Dazu sollten sie Küchenfliesen im Riff auslegen und dann alle zwei Monate die Besiedlung der Fliesen mit Jungkorallen untersuchen.

Anna Koester: Diese Korallen sind winzig klein, zu dem Zeitpunkt. Sie sind nur vielleicht zwei Millimeter maximal groß. Das heißt man muss das auch unter Mikroskop machen.

Bart Geurten: Doch gerade in der Saison, in der Sie diese Studie gemacht haben, spielt das Wetter den Wissenschaftler*Innen übel mit.

Anna Koester: Und es war unheimlich schwer, diese Arbeit zu machen. Und bei schlechtem Wetter meine ich einfach nicht nur Regen und Grau, sondern ganz viel Wind. Das heißt, dass der Wellengang sehr hoch war. Unsere Küchenfliesen sind dann auf ganz schweren Zementblöcken festgeschraubt und diese Zementblöcke stellt man dann ins Riff und wartet dann ab. Und wie man sich vorstellen kann, wenn man dann so 5 bis 10 von solchen Zementblöcke transportiert unter Wasser, das ist gar nicht so einfach, weil man natürlich unheimlich schwer ist und damit dann schwimmen muss und man einfach nur runter sinkt. Und das war sehr schwierig und wurde dann auch noch schwerer durch den hohen Wellengang. Also in fünf Meter Wassertiefe haben wir das gemacht und da wird man dann wie in der Waschmaschine quasi hin und her geschleudert. Das war, das war schon interessant.

Das war leider genau in der Saison, wo wir das gemacht haben und als wir dann drei Monate später wiedergekommen sind, haben wir auch leider ganz viele von diesen Fliesen entweder nicht mehr gefunden oder die waren kaputt, weil es einfach so stürmisch war zu der Zeit. Das heißt, dass wir die Daten gar nicht benutzen konnten und das war natürlich unheimlich frustrierend. Es war sehr viel Arbeit, es war sehr anstrengend und am Ende konnten wir die Daten nicht benutzen.

Dennis Eckmeier: Aber sie haben sich nicht unterkriegen lassen und eine neue Studie konzipiert.

Anna Koester: Daraus lernt man natürlich auch. Und dann daraus ist dann unsere eigentliche Studie entstanden, die wir dann auch veröffentlicht haben, dass wir uns nicht das ganze Atoll anschauen, sondern dass wir uns beschränken auf Riffe, die immer zugänglich sind, also das ganze Jahr. Das heißt, das ist unabhängig von – oder relativ unabhängig von den Wetterbedingungen – und die dann auch kontinuierlich durch das ganze Jahr sich angeschaut werden können.

Und da habe ich dann auch viel Hilfe von der Seychelles Islands Foundation bekommen. Also ich war sieben/acht Monate innerhalb von dieser Studie nicht auf dem Atoll. Das heißt es, die das für mich weitergemacht haben und dann alle zwei Monate diese Fliesen aus dem Wasser geholt haben und die analysiert haben – für mich – und zu schauen, was denn da so für Korallen sich angesiedelt haben.

Die höchste Anzahl an Jungkorallen haben wir zwischen Oktober und Dezember gefunden und anhand dessen haben wir jetzt eine bessere Vorstellung davon, wann denn die Korallenlaiche wahrscheinlich stattfinden wird.

Ist einfach unheimlich viel Arbeit gewesen, viel Arbeit im Feld und natürlich aber auch viel Arbeit im Labor, um diese ganzen Fliesen sich anzuschauen. Unsere Studie ist relativ klein, also eigentlich müssten wir das oder würden wir das gerne noch mal wiederholen, um zu schauen, ob das denn jedes Jahr die gleichen Trends zeigt oder ob da vielleicht innerhalb von einem Jahr bzw. innerhalb von verschiedenen Jahren unterschiedliche Trends sind. Und ich hoffe, dass wir das auch noch machen können, weil das wäre wirklich sehr spannend.

Bart Geurten: Verteidigt hat sie ihre Dissertation bereits Ende 2020.

[28:41] Wie geht es weiter?

Bart Geurten: Inzwischen arbeitet Dr. Koester direkt für die Seychelles Islands Foundation.

Anna Koester: Die Seychelles Islands Foundation ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung hier in den Seychellen und die ist verantwortlich für das Management und den Schutz vom Aldabra-Atoll und das Vallée de Mai. Das ist ein Wald in den inneren Inseln der Seychellen und beide dieser Orte sind UNESCO World Heritage Sites. Und hier auf dem Atoll sind Permanent SIF Mitarbeiter. Das schwankt immer so ein bisschen, je nach Saison, also zwischen, sagen wir mal, zehn Leuten und 20 Leuten permanent hier und dann kommen dann auch oft Wissenschaftler von der ganzen Welt, die sich unterschiedlichste Sachen angucken.

Und Aldabra ist nicht unbedingt bekannt für die Korallenriffe, sondern eher bekannt für die Riesenschildkröten, die Aldabra-Riesenschildkröte. Es gibt nur zwei Populationen, oder noch wilde Populationen von Riesenschildkröten und das sind einmal auf den Galapagos Inseln und dann Aldabra-Atoll. Und hier, ganz grobe Einschätzungen sind ungefähr 100.000 Riesenschildkröten hier auf dem Atoll.

Und weil das Atoll aber auch so weit entfernt ist von allem und hier wenig Menschen sind und es ist seit über 40 Jahren streng geschützt, gibt es wenig menschliche Einflüsse.  Das heißt, dass man sich auch Prozesse anschauen kann und natürlich auch den Effekt vom Klimawandel auf verschiedene Ökosysteme. Und das ist die Arbeit der Seychelles Islands Foundation und natürlich dann auch den Schutz des Atolls selber. Also die Präsenz hier von Mitarbeitern, um sicherzugehen, dass keine Wilderei stattfindet.

Dennis Eckmeier:  Und was genau macht jetzt Frau Koester für die Foundation?

Anna Koester:  Ich bin jetzt angestellt als Aldabra Marine Researcher, was bedeutet, dass ich jetzt das Langzeitbeobachtungsprogramme übersehe, dass ich Mitarbeiter trainiere, in den Methoden, die Daten analysiere und natürlich auch neue Forschungsprojekte entwickle. Dazu muss ich auch noch sagen, dass die Seychelles Islands Foundation eine große Anzahl an schon existierenden Daten hat. Und die müssen sich ja auch angeschaut werden. Das muss auch veröffentlicht werden und für all diese marin-basierten Dinge bin ich zuständig.

Bart Geurten: Über Langeweile kann sie sich dabei nicht beklagen.

Anna Koester: Wir haben ganz viele unterschiedliche Langzeitbeobachtungsprogramme für terrestrische Ökosysteme, aber auch für marine Ökosysteme. Und all diese Programme sind sehr wichtig. Aber wir haben relativ wenige Mitarbeiter, um wirklich alle Daten zeitnah wirklich zu analysieren. Und SIF ist, glaube ich, ziemlich gut damit. Also wir machen das nicht alles für uns alleine, sondern wir arbeiten auch mit Wissenschaftlern und mit anderen Studenten zusammen, um dann auch wirklich herauszufinden, was unsere Daten zeigen.

Und das ist aber konstantes Rennen sozusagen. Man hat eine Sache abgeschlossen und man muss aber auch schon wieder an fünf Sachen gleichzeitig arbeiten. Das war für mich schon eine andere Erfahrung als meine Doktorarbeit, weil meiner Doktorarbeit habe ich mich mit diesem einen Thema beschäftigt. Und hier muss man offen sein für viele andere Sachen, die gleichzeitig passieren und alles hat aber seine Wichtigkeit oder alles hat seine Priorität.

Das heißt, man möchte aber auch gar nichts anderes abgeben. Zum Beispiel war ich jetzt sehr stark mit eingebunden für ein Funding Proposal, um die Populationen vom Atoll das erste Mal wirklich richtig zu kartieren.

Bart Geurten:  Das sind in Dubans?!

Dennis Eckmeier: Dugans? Dubans? Weiß ich gar nicht…

Einschub: Öh, ja, hier ist Dennis aus der Zukunft. Ich habe dann noch einmal nachgefragt. Gemeint sind natürlich „Dugongs“, die man auf Deutsch auch „Gabelschwanzseekühe“ nennen kann – Dugong gefällt mir allerdings auch besser. Wieviele es davon am Aldabra-Atoll gibt, ist bisher unklar. Aber nicht mehr lange! Denn, Anna Koester schreibt mir nämlich auch, dass der Fördermittelantrag erfolgreich war. Wörtlich: „wir können nun Drohnen kaufen die adäquat ausgestattet sind um systematisch Luftaufnahmen zu machen um eine quantitative Bestandsaufnahme durchzuführen.“ Klingt sehr spannend, und da wünschen wir natürlich viel Erfolg!

Anna Koester: Und das heißt, dass ich mich dann natürlich auch wieder in neuen Organismus einfuchsen kann. Und das ist natürlich unheimlich spannend, auch.

Dennis Eckmeier: Für eines der Projekte an denen noch gearbeitet wird. Schauen Sie sich auch die Fischbestände aus den Jahren 2014 bis 2019 am Riff an. Die Auswertung läuft noch. Aber eigene Forschung ist zurzeit ja nicht ihre Hauptaufgabe. Und genau das findet sie besonders lehrreich.

Anna Koester: Das ist sehr spannend, weil das natürlich kein keine akademische Position ist, es kein Postdoc. Aber das ist eine Stelle direkt im angewandten Umweltschutz und im Management von einem Naturschutzgebiet. Und da lernt man natürlich auch ganz viele neue Sachen und andere Sachen und auch ein Verständnis dafür, wie denn wissenschaftliche Arbeit hilfreich sein kann und auch sein muss für den angewandten Umweltschutz und wie das denn ins große Bild reinpasst. Auf nationaler Ebene oder auf regionaler Ebene, hier im westlichen Indischen Ozean und dann am Ende natürlich auf globaler Ebene.

Und da habe ich auch noch viel zu lernen. Also ich komme ja direkt aus der Uni, wo man wissenschaftliches Arbeiten lernt mit den Methoden und der wissenschaftlichen Korrektheit. Und jetzt sehe ich aber auch die andere Seite: Okay, wie können wir denn diese Information nutzen? Und was müssen wir dann noch wissen, um das Atoll dann zu managen?

Bart Geurten: Aber kommen wir zurück zu den Korallen. Anna Koester, ihr Betreuer Christian Wild und die anderen beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fanden ja heraus, dass sich die Korallen erholen. Wenigstens die in der Lagune. Ist das eine Entwarnung?

[34:26] Keine Entwarnung für die Korallenriffe.

Anna Koester: Gestern habe ich ein bisschen in alte Literatur über Aldabra geschaut und habe dann auch Fotos gefunden von den Riffen. Und die Fotos waren von den 70er Jahren. Und das ist unglaublich, der Unterschied zwischen dem Riff damals in den 70er Jahren und jetzt. Und daran merkt man natürlich auch, dass seine eigene oder das meine, meine, meine Basis, mein Basisverständnis von einem schönen und gesunden Korallenriff natürlich wahrscheinlich komplett anders ist oder anders wäre, als würde ich Riffe sehen, so wie sie in den 70er Jahren waren.

Dennis Eckmeier: Und auch eine neuere Studie bestätigt diesen Eindruck.

Anna Koester: Die haben sich weltweit verfügbare Datensätze angeschaut von Korallenriffen und die Studie sagt, dass 50% von den Korallen, die wir in den 1950 er Jahren hatten, verschwunden sind.

Bart Geurten: Das bedeutet, also, dass die Korallen sich eben nicht komplett erholen, sondern die Artenvielfalt der Riffe schon lange stetig abnimmt.

Anna Koester: Das Problem ist, dass Korallenbleichen einfach immer häufiger werden und auch in der Stärke zunehmen. Das heißt, selbst wenn sich ein Korallenriff unheimlich schnell erholt hier zum Beispiel haben wir gesehen, dass in der Lagune das hat ungefähr vier Jahre gedauert, dann sahen die Riffe wieder fast so aus wie vor der Bleiche. Aber wenn eine Korallenbleiche alle fünf Jahre passiert, dann ist das… das ist zu viel für jedes Riff. Das werden auch die Riffe von Dauer am Ende nicht packen können.

Und da gibt es dann vielleicht eher Riffe, die im tieferen Wasser liegen, wo Korallen eher überleben, weil sie zum Beispiel weniger Lichtstress ausgesetzt sind. Und da gibt es auch unterschiedliche Forschung drüber. Und Interesse natürlich auch: welche Riffe sind dann am Ende die Refuge-Areas, also ein Gebiet, in dem die Erwärmung der Ozeane vielleicht nicht ganz so schnell vorankommt. Das heißt, dass die Riffe jetzt nicht unbedingt mehr resistent sind, sondern einfach die Umweltbedingungen haben, sich da noch nicht so stark geändert, dass Korallenbleichen oft stattfinden.

Dennis Eckmeier: Das Ziel der Forschung ist also Schadensbegrenzung. Dabei sind die steigenden Temperaturen nur ein Teil der Bedrohung durch den Menschen. CO2 aus der Atmosphäre löst sich teilweise im Meerwasser und dadurch entsteht Kohlensäure.

Anna Koester: Die Ozeanversäuerung die am Ende dafür sorgen wird, dass sich Korallen, aber auch andere Organismen im Meer, die kalzifizierende Hartschalen haben oder wie Korallen Skelette, dass es zuerst schwieriger wird, diese Kalkschalen oder Kalkskelette aufzubauen und am Ende dann auch dazu führen, könnte, dass sich die Kalkschalen oder -skelette sogar auflösen. Und das ist natürlich auch ein großes Problem.

Bart Geurten:  Gleichzeitig ist das Atoll vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht.

Dennis Eckmeier: Im Mittel ist das Aldabra-Atoll nur 8 Meter hoch. Die größte Erhebung ist die Spitze einer Düne in etwa 17 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Wobei so eine Düne ist jetzt natürlich nicht gerade die solideste Formation.

Anna Koester: Wenn der Meeresspiegel steigt, werden natürlich erst mal weniger Platz an Land sein für die ganzen Landtiere, also die Riesenschildkröten, die Vegetation, für Korallen, die jetzt schon in dem tieferen Gebiet sind, problematisch werden, wenn sie dann nämlich gar keinen Lichteinfall mehr haben. Aber für die Korallen im Flachwasser ist das erst mal gar nicht so ein großes Problem.

Aber das kommt ja nicht alleine. Das kommt ja auch zusammen mit wahrscheinlich größerem Aufkommen von Stürmen an sich oder hohem Wellengang. Und das zusammen mit dem Anstieg des Meeresspiegels hat natürlich dann auch einen anderen Einfluss auf die Vegetation an Land, also die Mangroven. Dann für hier, uns speziell und natürlich auch in anderen Gebieten die Siedlungen oder unsere Gebäude. Wir haben einige Gebäude, die sind direkt an der Wasserkante und da sehen wir jetzt schon bei Springflut, da läuft dann manchmal Wasser ins Büro rein. Also das ist natürlich dann auch ein Problem direkt schon für uns hier in der Station.

Wie stark Aldabra davon betroffen ist, das wissen wir noch nicht so ganz genau. Da gibt es auch regionale Studien dazu. Ich weiß jetzt aber nicht, was da die Einschätzung ist, aber wir sind gerade dabei, ein Climate Vulnerability Index zu erstellen fürs Atoll und da gehört dann natürlich auch die Erhöhung des Wasserspiegels mit rein.

Dennis Eckmeier: Und um die Liste zu vervollständigen: Auch an den Stränden dieses abgelegenen Atolls landet Plastikmüll und zwar nicht zu knapp.

Anna Koester: Innerhalb von drei Wochen während eines Projektes hier auf dem Atoll vor einigen Jahren wurden 25 Tonnen Plastikmüll aufgesammelt und Plastikmüll ist hier ein sehr großes Problem.

Das Atoll ist sehr groß. Wir sind stationiert auf einer Insel dieses Atolls. Jeden Monat gehen wir auch zu verschiedenen Stationen oder Field Camps. Also es gibt verschiedene Hütten auf dem Atoll, um verschiedene Monitoring Programme zu machen und wir haben gar nicht die Kapazität diesen Müll aufzusammeln regelmäßig. Das das geht gar nicht. Das ist einfach so viel Müll, das kann man sich gar nicht vorstellen. Und selbst wenn man Fotos sieht und sieht: „oha, da ist das hört ja gar nicht auf“, das Gefühl, was man bekommt, wenn man dann in so einem Strand steht, und da ist nur Müll und jedes Mal, wenn man hingeht, ist da mehr.

Aldabra Cleanup Project oder ACUP, die haben tonnenweise Müll aufgesammelt. Aber kurze Zeit später sah das dann auch schon wieder so aus wie vorher. Und das ist ja ein Problem, über das wir uns wahrscheinlich in Deutschland gar nicht so bewusst sind. Das sieht man dann, wenn man auf einer Insel ist, dass dieser Müll der angespült wird, das hört gar nicht auf.

Und hier speziell ist es Geisternetze, also verlorenes Fischer-Equipment und aber auch Flipflops. Also das ist hier eins der größten Probleme auch – natürlich Klimawandel und dann aber auch der Plastikmüll. Und was das für ein Einfluss hat auf Korallen oder auf Riffgemeinschaften, das wissen wir auch noch nicht so richtig.

Bart Geurten: Man schaut sich natürlich insgesamt die Korallenpopulation an und kann anhand der Trends der Daten, die die Wissenschaftler*Innen international zusammentragen, modellieren, wie sich die Korallenriffe weiter entwickeln werden. Eine solche Studie erschien im letzten Herbst.

Anna Koester: Und die Vorhersage laut dieser Studie ist, dass Riffe im westlichen Indischen Ozean vom Kollaps bedroht sind, innerhalb von den nächsten 50 Jahren. Also innerhalb von den nächsten 50 Jahren können Riffe schon so degradiert sein hier, dass sie nicht mehr die Rolle spielen, die sie jetzt spielen. Das heißt für die Fischerei und für den Tourismus, für den Schutz vor hohen Wellen und vor Stürmen und das ist ein unheimlich großes Problem.

Das hört sich erst mal so an, als ob das uns in Deutschland nicht besonders kratzen könnte, außer dass man weiß nicht, dann vielleicht nicht mehr irgendwie in den Tropen tauchen gehen kann, weil es nicht mehr schön ist. Aber wir selber haben ja auch einen Einfluss auf Korallenriffe; erstmal durch natürlich die Klimaerwärmung, menschengemachte, aber auch durch die globale Fischerei.

Also der westliche Indische Ozean ist überfischt und wir haben – oder viele große Fischerboote kommen ja aus europäischen Ländern, auch. Zum Beispiel Thunfisch-Fischerei und das hat auch einen negativen Einfluss auf Korallenriffe. Also es hat ja alles Wechselbeziehung. Thunfisch ist auch abhängig davon, was sie fressen können und die fressen auch Riff-Fische, das heißt, ein Korallenriff ist wichtig auch für die Thunfisch-Population zum Beispiel.

Und alles hat einen Zusammenhang. Das heißt, Korallenriffe sind nicht nur für lokale Bevölkerung direkt wichtig, sondern weltweit, haben die einen großen Einfluss.

Dennis Eckmeier: Für Menschen wie Dr. Koester, die sich dem Schutz des Aldabra-Atolls und seiner Riffe verschrieben hat, sind diese Erkenntnisse natürlich erschütternd.

Anna Koester: Am Ende ist es eine sehr schöne Arbeit, aber der Eindruck, wie Korallenbleichen oder wie menschlicher Einfluss und Klimawandel unsere Ökosysteme schon so zerstört hat, ist gar nicht so einfach. Und das geht auch vielen Leuten so, denke ich.

Was wir eigentlich machen müssen, ist wirklich jetzt in den nächsten zehn Jahren dafür zu sorgen, dass wir unseren CO2 Ausstoß so in den Griff bekommen, dass es nicht ganz so schlimm ist.

Was wir aber auch machen müssen – oder Riff-Regionen speziell auch – zu gucken: Okay, wir wissen, dass sich unsere Korallenriffe wahrscheinlich in dieser Zeit sehr stark verändern. Was können wir denn machen, um dafür zu sorgen, dass wir nicht in der totalen Katastrophe landen? Innerhalb von den nächsten 50 Jahren? Das sind jetzt so die großen Fragen, die natürlich im Raum stehen.

Dennis Eckmeier: Anna Koester wünscht sich für die Zukunft vor allem eins: dass wir nicht aufgeben.

Anna Koester: Das Aldabra-Atoll ist ja ein idealer Ort, um sich anzuschauen, wie Klimawandel oder globale Stressfaktoren Ökosysteme beeinflussen können. Und lange wurde gedacht, jetzt speziell auf Korallenriffe bezogen, dass abgelegene Korallenriffe, die nicht lokalen Stressfaktoren ausgesetzt sind, resistenter gegenüber die Ozeanerwärmung sind. Jetzt haben wir und nicht nur wir, sondern auch weltweit Studien gezeigt, das stimmt nicht unbedingt. Diese Korallenriffe sind genauso anfällig wie Korallenriffe in Gebieten, die von Menschen oder wo mehr Menschen leben.

Aber das Positive, was wir jetzt gefunden haben, ist zumindest hier auf dem Atoll, dass sich Riffe relativ schnell erholen können, was ein gutes Zeichen ist.

Und das Hauptproblem ist die Frequenz oder die steigende Frequenz und Stärke von Korallenbleichen, was am Ende auch bedeutet, dass Riffe oder Atolle oder Orte wie Aldabra auch ihre Korallenriffe verlieren können, weil sie sehr stark bedroht sind.

Aber. Und ich finde, das ist ganz wichtig. Wir brauchen irgendwie auch einen positiven Ausblick darauf, weil es sehr einfach wäre zu sagen: Okay, es ist zu spät, wir können nichts mehr machen. Und das finde ich ganz gefährlich. Wir müssen realistisch sein, was die Bedrohung sind und was die Probleme sind und was man machen kann, um dem entgegenzustehen.

Für mich ist wichtig, dass wir nicht aufgeben, weil das sollten wir uns nicht erlauben. Jetzt ist wichtig, dafür zu sorgen, dass es einfach noch nicht zu spät ist. Da haben wir aber nicht mehr so viel Zeit.

[45:46] Nachbesprechung

Dennis Eckmeier:  Die Sache mit diesen ökologischen Themen ist halt, dass die immer so ein ganz schön Downer sind.

Bart Geurten: Das klang zu Anfang so, so schön, weißt Du, Seychellen, Strand, Korallenriffe, Tauchen, das klingt wie das perfekte Wissenschaftsexperiment an einem Urlaubsort und endet recht tragisch mit dem Sterben von Korallenriffen.

Dennis Eckmeier:  Ja, ich habe auch ehrlich gesagt diese Studie rausgesucht, weil da geht es um die Erholung nach der Bleiche. Und ich dachte: „Ah, vielleicht ist das ein bisschen positiv…“, aber ich glaube im Großen und Ganzen ist halt die Situation, die gibt es gibt es halt auch keine guten Nachrichten her, so wirklich. Aber ich glaube es sind halt immer so viele negative Nachrichten, dass die Leute, wie ja auch die Anna Koester gesagt hat, dass die so ein bisschen zynisch werden, das Gefühl haben, also ich kann da nichts ändern, wir können daran nichts ändern. Was soll das Ganze noch? Aber ich, ich will das halt auch nicht irgendwie jetzt hier locker flockig rüberbringen.

Bart Geurten:  Das erinnert ein bisschen an diesen „Don’t Look Up“-Film von Netflix, den ich unglaublich amüsant fand und ich mich noch nie so sehr als Wissenschaftler verstanden gefühlt habe wir diesem Film.

Dennis Eckmeier: Ja, ich muss sagen, mich hat der Film richtig mitgenommen.

Für die Leute, die ihn nicht gesehen haben, wir wollen jetzt nicht zu viel spoilern, aber vielleicht habt ihr schon von dem Film gehört. Es geht um einen Astrophysiker und seine Doktorandin. Die Doktorandin, die hat den Asteroiden entdeckt, der auf die Erde zufliegt. Und jetzt versuchen sie, die die Welt dazu zu bewegen, doch irgendwas dagegen zu tun.

Und das… Ja … stellt sich als schwieriger heraus, als man so hoffen würde. Ich würde den Film jetzt als Tragikomödie bezeichnen.

Bart Geurten: Mein Lieblingsbild aus dem ganzen Film ist der Moment, in dem die Regierung entdeckt, dass da was dran sein könnte und die Wissenschaftler abholt, um dann mit denen zu sprechen. Und das machen sie mit so einer riesigen Transall Militärmaschine, also einem riesigen Flugzeug, und diese in dieser Szene sind diese Wissenschaftler in diesem vollkommen überdimensionierten Bürokratiemonster gefangen, was sich so unglaublich langsam und behäbig bewegt und sie laufen die ganze Zeit dann auf und ab und wissen nichts mit sich anzufangen.

Und ich finde, das war ein sehr schönes Bild über Wissenschaft und Warnung.

Dennis Eckmeier: Ja… Da haben wir auch jetzt noch nicht zu viel gespoilert. Das ist nämlich in den ersten drei Minuten oder so. Es gibt aber auch so diesen Moment, wo die halt wirklich in die Medien gehen und versuchen zu warnen und zu warnen. Und die Medien reagieren damit, dass sie ja doch lieber leichte Unterhaltung bieten wollen und das dann so total unter den Tisch fällt, wie gravierend die Situation ist.

Genau das versuche ich halt auch genau nicht zu machen.

Bart Geurten: Ich muss auch sagen Dr. Koester sich deutlich würdevoller verhalten als die Figuren in dem Film.

Dennis Eckmeier: Ja absolut. Ehrlich gesagt würde ich sie gern mal fragen, was sie von dem Film hält, wenn sie den überhaupt sehen kann, auf den auf dem Aldabra-Atoll. Sie hat ihn bestimmt noch gar nicht gesehen.

[49:14] Nachtrag: IPCC-Bericht

Hier noch ein Nachtrag: Zwischen dem Tag an dem Bart und ich die Folge aufgenommen haben und heute, ist der neueste IPCC-Bericht herausgekommen. IPCC ist der Weltklimarat, eine von über 100 Nationen getragene Institution aus Wissenschaftlern, die die relevante Forschung rund ums Thema Klima zusammenträgt, bewertet und daraus Prognosen und Empfehlungen ableitet.

Ihr könnt es Euch wahrscheinlich schon denken: es sieht nicht gut aus. Sie haben verschiedene Szenarien für die Zukunft entwickelt und für jedes Szenario eine Prognose für die Temperaturentwicklung aufgestellt. Nur das optimistischste Szenario, bei dem alle Maßnahmen radikal und sofort umgesetzt werden, ergibt eine kleine Chance, das Pariser Klima-Abkommen einzuhalten, also unter 1,5° Klimaerwärmung bis 2100 zu bleiben.

Der Bericht zeigt auch noch einmal auf – und das hat uns Dr. Koester ja auch gesagt – dass die Warmwasserkorallenriffe bereits jetzt massiv bedroht sind und ein weiteres Grad globale Erderwärmung das Aus für die meisten dieser und ähnlicher Biotope sein wird. Und mit jedem zehntel Grad sind mehr Lebensräume, Arten und auch Menschen in Gefahr. Ihr findet den Link zum Bericht in den ShowNotes.

Wir können uns den Forscherinnen und Forschern wie Anna Koester, den Scientists for Future, Fridays for Future und den vielen anderen Gruppen nur anschließen: Wir können uns weder leisten zu zögern, noch zynisch aufzugeben. Wir brauchen jetzt sofort entschlossene Maßnahmen.

[50:53] Danksagung

Dennis Eckmeier: Wir bedanken uns ganz herzlich bei Dr. Anna Koester von der Seychelles Islands Foundation für das tolle Gespräch und dass sie auch die damit verbundenen technischen Mühen auf sich genommen hat.

Ihre Forschung zu der Erholung der Korallen nach der großen Bleiche und das Fortpflanzungsverhalten der Korallen hat sie unter Betreuung durch Prof. Christian Wild von der Universität Bremen durchgeführt.

An der Forschung beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bremen, dem Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen, der Seychelles Islands Foundation, der University of Exeter, Vereinigtes Königreich, der University of Pisa, Italien, und der University of the South Pacific, Fiji.

Finanziert wurde die Forschung von der Universität Bremen mit Unterstützung der Seychelles Islands Foundation.

[51:45] Verabschiedung

Dennis Eckmeier: Expedition in die Forschung kann man übrigens auch ohne Ton genießen, weil ich auf unserer Webseite immer das Transkript zur Folge hochlade, auf YouTube erscheint es dann als Untertitel.

Bart Geurten: Wenn Dir die Folge gefallen hat, solltest Du den Podcast abonnieren und all Deinen Freunden und Bekannten weiterempfehlen!

Dennis Eckmeier: Lass uns wissen, was Du von dieser Folge hältst. Unter dem Hashtag #expidforschung.

Vielen Dank fürs Zuhören,

tschö!

Bart Geurten: Ciao!

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One thought on “Korallenbleiche: Halten die Korallenriffe durch? – mit Anna Koester (Transkript)

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